Ein neuer Lebensabschnitt beginnt: mit Flim Pinguin den Kita-Start meistern

* Buchrezension *

Meine Lieben, es gibt ein neues Buch von Sandra Schindler! Vor ziemlich genau einem Jahr habe ich euch schon einmal ein Buch von ihr vorgestellt: den kleinen Milchvampir. Nun hat sie sich nach dem Abstillen einem neuen und nicht weniger unbedeutendem Thema angenommen – dem Kindergartenstart.

Flim Pinguin im Kindergarten

Ebenso wie viele Kinder hat sich auch der kleine Pinguin Flim schon lange auf seinen ersten Kindergartentag gefreut! Denn da kann man mit den anderen Kindern so viele spannende Dinge erleben und es gibt so viel Neues zu entdecken. Aber zur Freude und Spannung mischt sich auch noch ein anderes Gefühl: Trennungsschmerz. Flim vermisst seine Mama genau so sehr, wie auch unsere Menschenkinder uns als Eltern vermissen. Doch Flim’s Mama hat eine Idee…

Der erste große Schritt im Leben

Für Kinder und auch Eltern ist der Schritt von der familiären Betreuung zu Hause in den Kindergarten oder die Krippe ein wirklich großer. Das Kind ist zum ersten Mal von den festen Bezugspersonen (zu denen natürlich nicht nur die Eltern gehören) getrennt und muss eine vertrauensvolle Bindung zu den pädagogischen Fachkräften aufbauen. Das setzt eine sichere Bindung zu den Eltern voraus, die von Verlässlichkeit geprägt sein muss. Aber auch für Eltern ist es nicht leicht, sein Kind anderen Menschen anzuvertrauen. Sie geben ihren größten und wertvollsten Schatz in „fremde“ Hände. Das setzt einen ganzen Berg an Vertrauen voraus und bedarf einer guten Kommunikation zwischen Eltern und Betreuungspersonen – ich verzichte jetzt mal auf den Begriff „Erzieher“, denn in einer Kita arbeiten neben Erziehern auch Heilerziehungspfleger, Kinderpfleger, Sozialassistenten, Heilpädagogen, … All diese Menschen sind pädagogische Fachkräfte, die aufgrund ihrer unterschiedlichen Ausbildungen verschiedene Aufgaben innerhalb einer Kita übernehmen, aber alle sind dennoch am Kind und somit wichtige Bezugspersonen.

Aus dem Alltag einer Erzieherin, die selber Mama ist

Ich kenne beide Seiten, denn ich bin Erzieherin in einer Krippe und Mama. In den Jahren habe ich schon viele Eingewöhnungen miterlebt und kann sagen, dass keine verläuft wie eine andere. Einige Kinder fühlen sich auf Anhieb wohl, andere tun sich sehr schwer. Einige Eltern freuen sich über die neugewonnene Freiheit, andere können ihr Kind nicht loslassen. Der Kita-Start von Zwergenmann und Mausekind war jeweils von etwas Wehmut auf meiner Seite geprägt: beide Kinder fanden eine klassische Eingewöhnung nach dem Berliner Modell völlig überbewertet und hatten keine Probleme, sich von uns zu trennen. Gut. Aber irgendwie ging mir das dann doch zu schnell…

Wenn das Herz schmerzt

Fragt man uns Erzieher, sagen wir gerne, dass der Herzschmerz früher oder später kommt. Oft ist es so, dass das bei Kindern, die sehr schnell und problemlos eingewöhnt sind, nach ein paar Wochen der Fall ist. So war es damals auch bei Zwergenmann. Er wollte absolut nicht in den Kindergarten, es flossen jeden Morgen Tränen. Erst nach ein paar Tagen wussten wir den eigentlichen Grund dafür. Es war von Seiten meiner Kolleginnen in Zwergenmann’s Gruppe viel Vertrauensarbeit nötig, um Zwergenmann die nötige Sicherheit zu geben. Und ich musste mich als Mama rausziehen – auch wenn es weh tat. Natürlich habe ich ihn getröstet und ihm gut zugeredet, aber mit jeder Minute, die ich länger geblieben bin, wurde es nur schlimmer statt besser. Wie schön wäre es gewesen, wenn es Flim damals schon gegeben hätte… Er hätte Zwergenmann sicherlich geholfen.

Wie Flim Kindern und Eltern helfen kann

Die Mama von Flim findet einen Weg, wie sie ihrem Pinguinkind die Angst vor dem Kindergarten nehmen kann. Eigentlich ist es auch gar nicht der Kindergarten, der Flim Angst macht – er hat Angst, dass seine Mama ihn nicht wieder abholt. Und diese Angst haben viele Kinder. Das hat nicht zuletzt auch damit zu tun, dass Kinder noch kein Gefühl für Raum und Zeit haben! Was in Wahrheit nur 10 Minuten sind, kann ihnen schon wie eine Ewigkeit vorkommen. Das sollte man sich bewusst machen, wenn wir unseren Kindern sagen „Mama holt dich nachher (oder gleich) wieder ab“. Was ist dieses „nachher“?! Auch Zeitangaben helfen Kindern nicht wirklich und ein Zeitpunkt wie z.B. „nach dem Mittagsschlaf“ auch nur bedingt. Vielmehr kann man es Kindern mit einem Ablauf verdeutlichen: „Du darfst gleich mit den anderen Kindern frühstücken und dann spielt ihr zusammen. Heute wollt ihr auch noch Igel basteln. Und dann gibt es schon Mittagessen und danach hole ich dich wieder ab.“ Das Kind weiß, was es erwartet, und kann so den Zeitraum besser einschätzen.

Die Mama von Flim hat sich etwas anderes überlegt – das verrate ich euch aber nicht, aber ich finde den Ansatz wunderschön und für Kinder durchaus hilfreich 🙂 Und vor allem kann das Buch an sich dabei helfen, Kindern ihre Ängste zu nehmen, weil sie sehen „hey, ich bin mit meinem Gefühl nicht allein“. Dieses Gefühl von „ich werde wahrgenommen“ und „jemand versteht mich“ ist unglaublich wichtig für Kinder. Deshalb sollten wir als Erwachsene Ängste von Kindern grundsätzlich ernstnehmen und sie nicht mit Sprüchen wie „ach, stell dich nicht so an“ oder „so schlimm ist das nun auch nicht“ abtun. Denn kindliche Ängste sind existenzielle Ängste – auch wenn wir das als Erwachsene oft ganz anders sehen. Und man kann diesen Ängsten sehr gut mit Bilderbüchern begegnen, in denen ein anderes Kind oder Tier genau die gleichen Ängste hat, wie das Kind!

Tipps für Mama und Papa

Sandra Schindler hat in diesem Buch auch wieder ein paar Seiten für uns als Eltern reserviert. Sie holt euch in eurer Verzweiflung ab und gibt euch Tipps mit an die Hand, wie sich der Abschied vom Kind im Kindergarten vielleicht einfacher und für alle Beteiligten angenehmer gestalten lässt. Jedes Kind ist anders, und wenn dem einen Kind eine kurze Verabschiedung gut tut (auch wenn es dabei weint), muss das beim nächsten Kind ganz und gar nicht so sein. Auch für uns als Erzieher ist das nicht immer leicht und auch uns bricht das Herz, wenn wir ein weinendes Bündel auf dem Arm haben, das all seine Verzweiflung in Tränen und Gebrüll raus lässt. Oft spüren wir, was richtig für Eltern und Kind ist und sagen das auch ganz deutlich, ohne dabei den Eltern zu nahe treten zu wollen. Aber ich möchte euch auch ermutigen, eure Meinung vor meinen Kollegen zu vertreten, denn keiner kennt euer Kind besser als ihr selbst! Wenn ihr das Gefühl habt, dass es anders laufen muss, sucht das Gespräch und findet gemeinsam eine Lösung.

Erschienen im GrünerSinn-Verlag

Ich glaube, dass ich zum Thema „Eingewöhnung und Trennung“ nochmal einen ausführlichen Beitrag schreiben muss. Meine Finger würden gerne noch mehr „zu Papier“ bringen, aber das passt hier thematisch gerade gar nicht hin 😉 Ich muss und möchte euch aber noch die Info mit auf den Weg geben, dass „Flim Pinguin im Kindergarten“ im GrünerSinn-Verlag Verlag erschienen ist und natürlich ab sofort in der Buchhandlung oder dem Onlineshop eures Vertrauens käuflich erworden werden kann. Das Buch kostet 9,95 Euro und ihr findet es unter der ISBN 978-3-946625-04-9.

Kategorie Bücherregal

Ich bin Svenja, Mitte 30 und Mami von Mausekind und Zwergenmann. Von Beruf bin ich Erzieherin und zusammen mit den Kindern, einem wundervollen Ehemann und den drei Stubentigern lebe ich im Emsland.

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