Eine zauberhafte Weihnachtsgeschichte

Heute möchte ich euch passend zum Weihnachtsfest eine Geschichte erzählen. Eine besondere Geschichte, wie ich finde. Woher ich sie habe, weiß ich selber nicht mehr. Aus irgendeinem Weihnachtsbuch von meiner Mama (die ist Grundschullehrerin) glaube ich und ich habe sie vom Umfang her für Kindergartenkinder eingekürzt. In den letzten Jahren habe ich sie dann immer den Kindern im Kindergarten in der Weihnachtszeit erzählt und noch nie war es so still im Gruppenraum. Den Raum habe ich zuvor abgedunkelt und mit vielen Kerzen geschmückt. Ein paar Duftkerzen zaubern zusätzlich einen weihnachtlichen Duft in den Raum… Und dann habe ich ihnen die Geschichte von dem Weihnachten erzählt, an dem eine Familie keine Kerzen für den Weihnachtsbaum hatte und das Christkind am Heiligen Abend doch noch welche gebracht hat:

Kerzen vom Christkind

Als es zwei Tage vor Weihnachten in den bayerischen Bergen zu schneien anfing, bemerkte die Bäuerin voller Schrecken, dass sie vergessen hatte, Kerzen für den Weihnachtsbaum einzukaufen. Das war schlimm, denn in den kleinen Gebirgsdörfern gibt es keine Geschäfte. Die Leute müssen oft sehr weit fahren, um einen größeren Ort zu erreichen. Bei den wenigen Nachbarn fragte die Bäuerin vergeblich. Keiner konnte aushelfen. So blieb ihr nur eines übrig – noch mal ins Tal fahren! Aber die Bäuerin wusste, was die tiefhängenden grauen Wolken zu bedeuten hatten… Den ganzen Nachmittag schneite es und die ganze Nacht auch und am nächsten Morgen waren die Wege so hoch verschneit, dass die Häuser bis zu den Fenstern im Schnee steckten. Als es eifrig weiterschneite, rief die Bäuerin ihre Kinder zu sich. Sie nahm ihr kleine Tochter Nanni auf den Schoß und die beiden Jungen Toni und Hansl setzten sich rechts und links neben ihre Mutter auf die Bank. Dann erzählte die Bäuerin von einem längst vergangenen Weihnachten, als ihr Großvater noch ein kleiner Junge gewesen war… Da waren die Eltern so arm, dass sie keine Kerzen für den Weihnachtsbaum kaufen konnten. Der Vater hatte damals gesagt „Schau Bub, wie hell und strahlend heut in der Heiligen Nacht die Sterne am Himmel stehen. Sie sehen aus wie Kerzen und wir sind auf den Bergen so nah dran, dass wir eigentlich keine Kerzen am Weihnachtsbaum brauchen!“  „Seht Kinder“, sagte die Bäuerin, „wir haben leider keine Kerzen im Haus und weil es so doll schneit, kann ich leider nicht ins Tal fahren, um noch welche zu kaufen. Wir müssen es so machen wie der Großvater.“ Da wurde die kleine Nanni ganz traurig. „Ooooh“, seufzte sie mit runden, traurigen Augen, „die Lichter sind aber doch so schön… Wenn man lange hineinschaut und ein bisschen blinzelt, sehen die Flämmchen wie bunte Bällchen aus.“ Die Bäuerin sah mit schwerem Herzen, wie traurig ihre Kinder waren.  Als der Heilige Abend gekommen war, stand der Tannenbaum schön geschmückt, aber leider ohne Kerzen im Wohnzimmer. Die Bäuerin ging mit ihrer ganzen Familie zur Weihnachtsmesse. Nanni war sehr stolz, weil sie zum ersten Mal mitkommen durfte. Die kleine Kapelle strahlte hell in der dunklen Nacht, der Kirchenchor sang und der Wind blies dicke Schneeflocken durch die Luft. Nach dem Gottesdienst bat die Bäuerin ihren Mann, schon einmal mit den Kindern nach Hause zu gehen. Ihr Mann wunderte sich etwas, ging dann aber mit den Kindern vor. Als er sich noch einmal umdrehte, war seine Frau verschwunden. Umso größer war die Überraschung, als die Bäuerin schon zu Hause im Wohnzimmer saß, als der Vater, Toni, Hansl und Nanni nach Hause kamen. Dann wurde es ganz ganz still… In den großen Kinderaugen spiegelte sich der Glanz von ganz vielen Kerzen am Weihnachtsbaum. „Oh Mami, wie schön der Weihnachtsbaum aussieht. Sooo schön“, sagte die kleine Nanni und drückte ihre Mama ganz fest. Später am Abend, als die Kinder ganz müde waren und die Bäuerin sie ins Bett brachte, fragte die kleine Nanni, wer denn die Kerzen gebracht hat. Behutsam deckte die Bäuerin sie zu und flüsterte: „Die Kerzen sind vom Christkind.“

 

In diesem Jahr werde ich die Geschichte auch zum ersten Mal bei uns erzählen. Bislang war Zwergenmann ja noch zu klein und hätte das noch nicht verstanden – zumal er auch bis vor einigen Monaten noch nicht wirklich Interesse an Geschichten und Büchern hatte 😉 Aber wenn bei uns das Christkind in diesem Jahr schon einen Tag später kommt, weil der Vollblutpapi an Heilig Abend arbeiten muss, möchte ich doch zumindest diesen besonderen Zauber von Weihnachten ins Haus holen. Ich bin schon gespannt, wie Zwergenmann und auch Mausekind auf die vielen Kerzen am Heiligen Abend reagieren und ob ihre Augen dann auch so strahlen…
Wer sich auch den Zauber von Weihnachten ins Haus holen möchte, darf sich die Geschichte gerne ausdrucken und die Kerzenvorräte zusammensuchen. Glaubt mir, so kommt man auch bei dem derzeitigen Osterwetter noch richtig in Weihnachtsstimmung!

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Kategorie Blog, Familienleben

Ich bin Svenja, Mitte 30 und Mami von Mausekind und Zwergenmann. Von Beruf bin ich Erzieherin und zusammen mit den Kindern, einem wundervollen Ehemann und den drei Stubentigern lebe ich im Emsland.

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